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American Jews in the Age of Trump -- Gastvortrag von Prof. Dr. Dr. h.c. Susannah Heschel

Am 20.2.2018 durfte das Institut für christlich-jüdische Studien zusammen mit der Professur für Feministische Theologie Prof. Dr. Dr. hc. mult. Susannah Heschel vom Dartmouth College in Hanover, USA zum Thema „American Jews in the Age of Trump“ begrüßen. Da die Referentin im Jahre 2008 die Ehrendoktorwürde der Augustana verliehen bekam, kam sie nicht zum ersten Mal an die Augustana.

Im ersten Teil ihres Vortrags zeigte Heschel auf, welche drei Hauptströmungen sich im Judentum seit 1945 in Amerika entwickelt haben. Die erste Gruppe, die Ultraorthodoxe Gemeinde, bildete eine in sich geschlossene Gruppe, die in ihrer eigenen Welt leben und Universitäre Bildung ablehnen. Die zweite Gruppe, die modern-orthodoxe Gemeinde, hält die jüdischen Gebote und versucht, sich in die Gesellschaft wie jede andere Gruppe einzubringen. Mit dem Motto „Be a Jew at Home and at the Street a Man“ umschrieb Heschel diese Gruppe. Alle anderen Strömungen, die sehr unterschiedlich sind, fasste Heschel in der dritten Gruppe zusammen. 17 % der Juden in Amerika seien konvertiert und hätten keine jüdische Herkunft, sondern stammten aus einem christlichen Elternhaus. Viele seien wegen eines Ehepartners zum Judentum übergetreten. Die Unterstützung für Donald Trump, die ca. 20 – 24 % aller amerikanischen Juden betrug, kam vor allem aus den ersten beiden Gruppen. Interessant ist auch zu sehen, dass die einzelnen Gruppen nicht homogene Blöcke sind, sondern doch miteinander vernetzt sind. So spenden einige reiche nicht-orthodoxe Juden an die ultraorthodoxe Gemeinde, da sie so das „wahre“ Judentum, das sie so nicht leben, unterstützen können.

In einem zweiten Schritt wurde aufgezeigt, dass sich das amerikanische Judentum in den 70er Jahren nochmals sehr geändert hatte. Die Erfahrungen aus der Bürgerrechtsbewegung, als Juden andere Minderheiten zu unterstützen, und die Erlebnisse des Sechs-Tage-Kriegs prägten diese Generation. Der Wunsch nach religiöser Erneuerung wuchs. Auf der einen Seite entwickelte sich in der Bürgerrechtsbewegung eine Strömung im Judentum, die sich bewusst mit ethischen Fragen beschäftigte. Auf der anderen Seite entwickelte Rabbi Meir Kahane eine nationalreligiöse Bewegung, die sich sehr radikal auf die Unterstützung des Staates Israels fokussierte. Diese Bewegung gründete die Kach-Partei in Israel, die später aufgrund ihrer Radikalität verboten wurde. Die Verbindung zum Staat Israel wurde für viele Juden sehr wichtig. Bis heute prägen die zwei theologischen Strömungen das amerikanische Judentum und dessen Wahlverhalten.

Eine weitere Bewegung, die kurz vorstellt wurde und in Amerika ihre Wurzeln hat, ist die Chabadbewegung. Menachem Mendel Schneerson, der letzte Rabbi der Lubbawitscher Bewegung, sandte weltweit jüdische Botschafter aus, die für das chassidische Judentum unter Juden Werbung machten. Nachdem Rabbi Schneerson starb, hofften viele seiner Anhänger, dass er wieder auferstehe und der Messias sei. Bis heute glauben einige seiner Anhänger, dass dies der Messias sei. Heschel wies darauf hin, dass sich hier christliche Vorstellungen des Messias in eine orthodoxe Theologie eingeschlichen hätten. Politisch sei diese Strömung eher rechts orientiert.

Im letzten Teil ihres Vortrags, ging Heschel auf die Frage ein, warum Juden Trump wählten. Für sie, wie auch für viele linksorientierte Juden, kam diese Wahl sehr überraschend. Früher galten die Juden als Wähler der Demokraten. Dies hatte sich zum Teil geändert. Ein Grund für die Wahl Donald Trumps war, dass Juden von Obama enttäuscht gewesen seien. Das liege oft nicht an rationalen Argumenten, sondern an Ängsten und Vorurteilen, die auch durch Medien geschürt würden. So wurde Obama kritisiert, dass er im Sicherheitsrat im Dezember 2016 eine Resolution gegen die israelischen Siedlungen nicht blockierte. Von Trump erhoffte man sich eine bessere Unterstützung für Israel, wie die Verlegung der Botschaft nach Jerusalem. Ein weiterer Grund für die Wahl war, dass die Tochter Trumps Ivanka zum Judentum konvertiert war. Dadurch wurden manche rassistischen Aussagen der Anhänger Trumps relativiert. Wenn er eine jüdische Tochter und einen jüdischen Schwiegersohn habe, dann sei er bestimmt nicht judenfeindlich. Für Heschel, die ihre Ablehnung Trumps nicht verbarg, war es nicht leicht, die Argumente der Trump Unterstützer rational nachzuvollziehen.

Insgesamt zeigte uns Prof. Susannah Heschel mit ihrem Vortrag die Pluralität und Komplexität des amerikanischen Judentums auf. Der Vortrag hat klargestellt, dass man, wenn man Judentum heute studieren will, auch die amerikanischen Entwicklungen und Strömungen wahrnehmen muss.

Michael Rummel


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