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Gespräch mit Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel in Buenos Aires

Prof. Dr. Heike Walz ermöglicht Begegnung mit dem argentinischen Friedensnobelpreisträger für Gewaltlosigkeit und Menschenrechte anlässlich der Summer School zu „Religion und Menschenrechte in Argentinien“ im März 2018.

"Ein Nobelpreisträger ist ein Mensch wie jeder andere - mit Gaben und Fehlern", sagt Adolfo Pérez Esquivel. Er reist im heruntergekommenen Zug (el tren Mitre) oder im einfachen Bus, wie jeder andere in Argentinien. Was ihn pausenlos antreibt, ist die Vision einer Gesellschaft, in der niemand ausgeschlossen wird (el no exluir). Er träumt von einer Welt, in der alle gleich behandelt und gewürdigt werden. Und er tut dies aus der Perspektive seines christlichen Glaubens.

Während der Militärdiktatur in Argentinien (1976-1983) erhielt der römisch-katholische Bürgerrechtler, Architekt, Universitätsprofessor und Künstler Adolfo Pérez Esquivel 1980 für sein gewaltloses Engagement für Menschenrechte den Nobelpreis. Er hatte Protestversammlungen organisiert. 1977 wurde er von den Militärs verschleppt. Vierzehn Monate lang war er inhaftiert und wurde gefoltert, bis er durch eine Kampagne von Amnesty International freikam.1

5. von rechts in der vorderen Reihe: Adolfo Pérez Esquivel mit Heike Walz (6. von rechts.); 3. von links in der vorderen Reihe: Ana Velilla De Medio; hinter ihr Luis Ma. Bornes

Wie aktuell seine Menschenrechtsbotschaft in Argentinien ist, wird hautnah spürbar, als der Friedensnobelpreisträger die Studienreisegruppe der Theologiestudierenden und Doktorierenden aus Neuendettelsau, Berlin und Erlangen im Büro seiner Menschenrechtsorganisation "Dienst für Frieden und Gerechtigkeit" (Servicio Paz y Justicia, SERPAJ) in San Telmo in Buenos Aires empfängt. Der Raum füllt sich immer mehr. Interessierte Gemeindeglieder der Mennonitenkirche Floresta (Iglesia Anabautista Menonita de Buenos Aires) kommen hinzu.

Triste Nachrichten haben SERPAJ erreicht. Überall im Haus finden gerade Besprechungen statt. Die staatlichen Zuschüsse für Jugendprojekte wurden gestrichen. Dies ist umso gravierender, als Pérez Esquivel Formen der institutionellen Gewalt - insbesondere gegen Jugendliche - als "modus operandi" der Polizei in Argentinien kritisiert.

Vor wenigen Tagen, am 8. März 2018 war der 12jährige Facundo Ferreira von der Provinzpolizei in Tucumán durch einen Genickschuss getötet worden.2 Die Provinzregierung stellte sich hinter die Aussagen der Polizisten und rechtfertigte die Polizeigewalt. Menschenrechtsorganisationen wie SERPAJ und das "Zentrum für rechtliche und soziale Studien" (Centro de Estudios Legales y Sociales, CELS) fordern jedoch eine Untersuchung.3 Sie gehen mutmaßlich davon aus, dass Facundo willkürlich durch die Polizei umgebracht wurde, die in Argentinien als gatillo fácil (schießfreudig) bezeichnet wird. "Es ist kein Einzelfall", sagt Pérez Esquivel. Rafael Nahuel, ein 22jähriger Aktivist der Mapuche, wurde am 26. November 2017 von der Polizei in der Gegend von Bariloche erschossen.

Umso wichtiger ist für Pérez Esquivel das Motto "Eine andere Welt ist möglich" des Weltsozialforums. Vertreterinnen und Mitstreiter von SERPAJ nehmen gerade am 14. Weltsozialforum teil, das vom 13.-18. März 2018 in Salvador de Bahia in Brasilien stattfindet.

Nicht alle Kirchen seien bereit, für Frieden, Gewaltlosigkeit und Menschenrechte zu arbeiten, aber bei SERPAJ sei jede Kirche willkommen, erklärte Pérez Esquivel.

Frieden und Gewaltlosigkeit sind das Herzensanliegen der mennonitischen Friedenskirchen wie auch der in der Ökumene engagierten Kirchen in Argentinien. Luis María Bornes vom Gemeinderat der Mennonitenkirche Floresta und Vorstandsmitglied der ökumenischen Argentinischen Föderation Evangelischer Kirchen (Federación Argentina de Iglesias Evangélicas, FAIE), hat sich dafür eingesetzt, dass die Begegnung mit Pérez Esquivel zustande kommt, gemeinsam mit Ana Velilla De Medio von der Kirche der Jünger Christi in Argentinien (Iglesia Discípulos de Cristo de Argentina). Sie ist Mitglied des Zentralkomitees des Ökumenischen Rates der Kirchen und arbeitet seit Jahrzehnten mit Pérez Esquivel zusammen, u.a. in einem Projekt für Menschenrechte von Kindern und Jugendlichen.4

Pérez Esquivel versprüht Charisma. "Hierzu müsste man ein ganzes Seminar unterrichten", sagt er zur Komplexität einiger Fragen. An der Universität in Buenos Aires (UBA) lehrt er in den Sozialwissenschaften regelmäßig das Programm "Kultur des Friedens und Menschenrechte".

Zum Spannungsfeld von Religion und Menschenrechten, u.a. in Argentinien, forscht und lehrt auch Prof. Walz seit vielen Jahren. Die Einladung, ein Seminar an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau zu lehren, nimmt der 86jährige Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel spontan an. Es gibt also Hoffnung auf ein Wiedersehen. Die Causa der Menschenrechte geht in jedem Fall weiter.

Prof. Dr. Heike Walz


Anmerkungen:

1. universal_lexikon.deacademic.com/240105/Friedensnobelpreis_1980%3A_Adolfo_Pérez_Esquivel [28.3.2018].

2. www.pagina12.com.ar/101976-a-facundo-lo-mato-la-policia [28.3. 2018].

3. www.cels.org.ar/web/2018/03/asesinato-de-facundo-ferreira/ [28.3.2018].

4. Vgl. "Niños y jóvenes en situaciones de riesgo", serpaj.org.ar [28.3.2018].


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