Das hybride Format ermöglicht, dass Sie entweder in Präsenz im Hörsaal oder per Zoom (https://eu02web.zoom-x.de/j/64176571382) teilnehmen können.
Frau Prof. Dr. Carola Roloff, Universität Hamburg (Tibetologin, Buddhologin und ordinierte buddhistische Nonne) spricht über: „Was heißt Spiritualität im Buddhismus? Praxis, Transformation und säkulare Aneignung im Spannungsfeld moderner Sinnsuche.“
Der Begriff „Spiritualität“ ist historisch im christlich-lateinischen Kontext verwurzelt und bezeichnet ursprünglich eine am spiritus orientierte Lebensform. In gegenwärtigen Diskursen wird er jedoch zunehmend religionsübergreifend und säkular gebraucht – häufig als Chiffre für individuelle Sinnsuche, Selbsttransformation und ethische Orientierung. Der Vortrag fragt, ob und in welchem Sinne der Begriff für den Buddhismus sinnvoll anschlussfähig ist.
Ausgehend von einer begrifflichen Klärung werden zentrale buddhistische Konzepte von Praxis und Transformation vorgestellt, insbesondere die Spannung zwischen Gleichmut bzw. Untangiertheit (upekkhā) und Mitgefühl (karuṇā), wie sie Lambert Schmithausen für den frühen Buddhismus herausgearbeitet hat. Diese Spannung wird nicht als Gegensatz, sondern als dynamische Struktur spiritueller Entwicklung verstanden. In einer gegenwärtigen Relektüre lässt sich Gleichmut als allparteiliche, relationale Haltung interpretieren, die ethische Handlungsfähigkeit nicht suspendiert, sondern ermöglicht.
Im Anschluss wird die buddhistische Vorstellung der Person als prozesshaft und nicht-substanziell reflektiert, ohne dabei personale Kontinuität oder Verantwortlichkeit zu negieren. Spiritualität erscheint hier nicht als festes Besitzgut oder statische Identität, sondern als dynamischer Transformationsprozess gelebter Praxis. Abschließend werden Chancen und Grenzen einer säkularen Aneignung buddhistischer Spiritualität diskutiert.


