Nagelkreuzzentrum
Die Augustana-Hochschule in Neuendettelsau setzt sich als Nagelkreuzzentrum für Frieden und Versöhnung ein.
Am 14. November 1940 wurden Teile der Stadt Coventry in England, darunter auch die mittelalterliche Kathedrale St. Michael, durch deutsche Bombenangriffe zerstört. Unter den Trümmern der Kathedrale von Coventry fanden sich große schmiedeeiserne Zimmermannsnägel, welche die schweren Balken des Gewölbes im Kirchenschiff seit dem 14. Jahrhundert gehalten hatten. Aus drei solcher Nägel wurde ein Kreuz gebildet. Es entstand das Symbol des Nagelkreuzes von Coventry. Der damalige Domprobst Richard Howard ließ später an die Chorwand der Ruine "Father forgive" schreiben.
Diese Worte bestimmen auch heute noch das 1958 formulierte Versöhnungsgebet von Coventry. Es umschreibt die Aufgabe der weltweiten Versöhnung der Christenheit und wird freitags um 12 Uhr in vielen Nagelkreuzzentren gebetet.
Als Zeichen der Versöhnung überreicht die Nagelkreuzgemeinschaft ihren Mitgliedseinrichtungen ein Nagelkreuz.
Der Campus der Augustana-Hochschule befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Munitionsanstalt Neuendettelsau. Hier wurden seit 1934 Granaten und Bomben hergestellt, die wohl auch bei den Luftangriffen über England zum Einsatz kamen. In der MUNA waren sogenannte "Fremdarbeiter" eingesetzt. Ein Gedenkstein nahe dem Haus der Stille erinnert an sie.
Nach Kriegsende wurde das Gelände der Muna entmilitarisiert. Die 1947 neu gegründete Augustana-Hochschule zog etappenweise auf das ehemalige Militärgelände. Mannschaftsbaracken, Kantine, Schreibstube, Wache und der ehemalige Exerzierplatz wurden zu Hörsälen, Wohnräumen für Studierende, Mensa, Verwaltung und dem großen Sportplatz. Später erwarb die Hochschule auch die Offiziershäuser und begann mit der Errichtung zusätzlicher Gebäude. 1966 wurde die Kapelle der Hochschule erbaut. Ein eindrückliches großes Altarkreuz aus Stahl nimmt Bezug auf die Geschichte des Geländes.
Am 25. Juni 2017 wurde die Augustana-Hochschule in die Nagelkreuzgemeinschaft aufgenommen. Eine Delegation aus Coventry unter Leitung von Canon Dr. Sarah Hills und des deutschen Vorsitzenden, OKR Oliver Schuegraf, überreichte in der Kapelle das Nagelkreuz.
Die Augustana-Hochschule weiß sich der Aufgabe der Hochschule, an der Arbeit für Frieden und Versöhnung mitzuwirken, in vielfältiger Weise verbunden: Der Lehrstuhl für Interkulturelle Theologie, Missions- und Religionswissenschaft beschäftigt sich beispielsweise intensiv mit Fragen der Verständigung zwischen Kulturen und Religionen sowie postkolonialer und Befreiungstheologie, die Veranstaltungen der Professur für Feministische Theologie bearbeiten die Themen "Geschlechtergerechtigkeit" und "Diskriminierung", das Institut für Christlich-Jüdische Studien und Begegnungen beteiligt sich an der Überwindung von Antisemitismus und Antijudaismus in Kirche und Gesellschaft.
Auch innerhalb der Studierendenschaft sind Gleichstellung sowie Vorkehrungen gegen Mobbing und sexualisierte Gewalt wichtige Themen, ebenso wie die Beziehungen zu den internationalen Studierenden, den Menschen mit Behinderung sowie den Seniorinnen und Senioren in den Heimen der Diakonie Neuendettelsau. Jeweils im November wird mit einer Andacht den Luftangriffen auf Coventry gedacht.
Studierende nehmen auch am Versöhnungsgebet teil, das jeden Freitag um 12.00 Uhr in der St. Laurentiuskirche gebetet wird.
Zur Homepage der Community of the Cross of Nails
Zur Homepage der Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland e.V.
Gottesdienst zur Übergabe des Nagelkreuzes
Gottesdienst zur Übergabe des Nagelkreuzes
Gottesdienst zur Übergabe des Nagelkreuzes
"Father forgive"
Die Ruine der Kathedrale in Coventry
Das ursprüngliche Nagelkreuz in Coventry
Versöhnung
Die moderne Kathedrale in Coventry
Bunker in der ehemaligen Muna
Altar und Kreuz in der Hochschulkapelle
Das Nagelkreuz der Augustana-Hochschule